Camino Primitivo

Der Camino Primitivo ist der wohl körperlich anspruchsvollste Jakobsweg den es gibt. Ca. 4% der Pilger wählen diesen Weg. Zwar ist er mit einer Länge von knapp 350 km recht kurz, dafür sind jedoch extrem viele Höhenmeter zu bezwingen. Im Prinzip geht es ab dem ersten Tag permanent steil bergauf und bergab, mit bis zu 1200 Höhenmetern pro Tag. Eine gute körperliche Fitness, ein idealerweise niedriges Rucksackgewicht sowie sehr gut eingelaufene Schuhe sind hier ein Muss, da der Weg sonnst zur Qual wird. Man wird jedoch mit fantastischen Ausblicken, Stille, viel Natur und traumhaften Berg- und Waldlandschaften belohnt. Der Camino Primitivo ist einer meiner persönlichen Favoriten. 

 

Für den kompletten Weg von Oviedo nach Santiago de Compostela benötigt man für die gesamte Strecke von 350 km zwischen 10 und 20 Tagen. Empfehlenswert ist aber der Abschluss der Pilgerreise in Kap Finisterre oder Muxia. Für die Strecke bis dorthin, knapp 100 km muss man zusätzlich nochmals 3-4 Tage einplanen.

 

Der Camino Primitivo kann theoretisch das ganze Jahr gewandert werden. Da es aber eine Saison bei den Herbergen gibt, ist eine Wanderung mit ausreichend geöffneten Herbergen von Februar/März bis Oktober möglich.

 

Für den Camino Primitivo empfehle ich die App von Wise Pilgrims „Wisely + The Camino Primitivo" fürs iPhone und für Android. Eine hervorragende App, die ich übrigens von allen Jakobswegen von diesem Anbieter habe. Wer nicht auf das Hardcover als Buch verzichten möchte empfehle ich das Outdoor Buch Spanien: Jakobsweg Camino Primitivo vom Conrad Stein Verlag.


Camino Primitivo

von Oviedo nach Santiago de Compostela 

340 km 

vom 16.7 bis 25.7.2018


Anreise Camino Primitivo 15.7.2018

Santiago de Compostela-Oviedo

Um 9 Uhr fuhr ich mit dem Bus vom Busbahnhof in Santiago los. Die Fahrt kostete 35.-€ und dauerte unendliche 5.5 Stunden. Ich fand die Fahrt extrem nervig und langweilig. Die Luft war stickig, da der Bus komplett voll war. Um 14.30 Uhr kam ich endlich in Oviedo an. Bis zur Herberge waren es knapp 30 min zu Fuß. Da die Herberge erst um 16 Uhr öffnete, musste ich ca. 1 Stunde vor der Tür warten. Knapp 30 min nach öffnen waren bereits knapp 30 Pilger eingetroffen. Ich ging um 16.30 Uhr zusammen mit einem Amerikaner in die Innenstadt, da ich das Fußballspiel der Weltmeisterschaft Frankreich-Kroatien, welches um 17 Uhr begann, sehen wollte. Wir fanden eine nette Bar mir Fernseher und Tapas. Das Spiel war spannend und Frankreich gewann mit 4:2. Danach ging ich in die Herberge zurück und früh ins Bett.

 

 


Tag 1 Camino Primitivo 16.7.2018

Oviedo-Cornellana 42 km

Heute Morgen bin ich um 6.30 Uhr aufgestanden. Der Weg ging zunächst durch die ganze Stadt ohne gelbe Jakobspfeile. Auf dem Boden waren lediglich metallene Muscheln angebracht, die aber aufgrund der Dämmerung nur sehr schwer zu sehen waren. Außerhalb der Stadt führte der Weg durch schöne Wälder über Feldwege mit zum Teil sehr felsigem Untergrund. Aufgrund des Regens der letzten Tage, war der Untergrund zum Teil sehr matschig und rutschig. Hier war festes Schuhwerk zwingend notwendig. Wie hier einige Pilger mit dünnen Turnschuhen, Laufschuhen oder Halbschuhen ohne bissiges Profil durchkommen bleibt mir ein Rätsel. Der Weg hatte heute bereits einige Höhenmeter zu bieten. In Grado nach 26 km traf ich dann Lucas aus Deutschland. Mit Ihm bin ich dann zusammen bis nach Cornellana gegangen und wir erreichten die Herberge um 15.30 Uhr. Die Herberge war in einer Kirche untergebracht, welche leider sehr verfallen war. Die Unterkunft war jedoch in Ordnung. Gegen Abend war die Herberge dann mit 30 Pilgern gefüllt, einige wenige mussten sogar auf dem Boden mit Matratzen schlafen, da keine Betten mehr frei waren. Im nahe gelegenen Supermarkt kauften wir Nudeln, Thunfisch und Pesto ein und bereiteten uns in der Küche unser Abendessen zu. 

 


Tag 2 Camino Primitivo 17.7.2018

Cornellana-Tineo 36 km

Heute Morgen bin ich zuerst 400 m zum Café in die entgegengesetzte Richtung gelaufen. Kaffee muss zum morgendlichen Start einfach sein, denn man weiß nie wann das nächste Café kommt. Heute waren die Wege aufgrund des Wetters wieder extrem schlammig. Außerdem nieselte es heute den ganzen Tag. Obwohl das T-Shirt nass gewesen ist, war es von der Temperatur sehr angenehm mit knapp 17 Grad. Es gab wunderschöne Berglandschaften mit vielen Bergauf, Bergab Passagen. Gefühlt ging es jedoch heute eigentlich den ganzen Tag nur nach oben. Um kurz vor 15 Uhr erreichte ich die private Herberge, welche in einem 3 Sterne Hotel im Untergeschoss angebracht war. Direkt daneben gab es einen großen Supermarkt, indem ich, da das Essen erst um 20.30 Uhr angeboten wurde, fürs Abendessen einkaufte. In der Herberge trafen wir dann noch Jenny aus Deutschland. 


Tag 3 Camino Primitivo 18.7.2018

Tineo-Pola de Allande 32 km

Um 7 Uhr bin ich mit Jenny zusammen gestartet. Abwechselnd gab es Feldwege im Wald und Abschnitte an der Straße. Den ganzen Tag begleitete uns immer wieder einzelne Jugendliche aus der Wandergruppe mit 56 Leuten. In Porciles gingen wir, dann in die bunt geschmückte Bar von Jose, welche in nahezu allen Wanderführern erwähnt wird. Ich bestellte mir ein Baguette mit Jamon und Tomaten. Um 14.30 Uhr erreichten wir Pola de Allande und gingen in ein Hotel um die Jugendgruppe in der Herberge zu vermeiden. Nach dem Duschen ging es in den Supermarkt und ein wenig in die Stadt. Um 20.30 Uhr gab es Abendessen im Hotel. Dort trafen wir auch 4 weitere Pilger aus Spanien wieder, die wir heute auf dem Weg überholt hatten.


Tag 4 Camino Primitivo 19.7.2018

Pola de Allande-La Mesa 24 km

Um 7 Uhr bin ich zum Café an der Ecke gegangen. Auf dem Weg habe ich wieder die Gruppe Jugendlicher mit 56 Mann getroffen, welche gerade aus der öffentlichen Herberge gestartet sind. Es war sehr nebelig und es nieselte sehr fein. Die nächsten 9 km ging es nur steil nach oben über zum Teil sehr schmale Pfade, welche mit Wasser und Matsch bedeckt waren. Auch die Sträucher waren komplett mit Tau getränkt weshalb auch meine Hose und Schuhe nass wurden. Nach und nach überholte ich die Pilgerkarawane. Kurz vor dem Gipfel wurde der Weg steiler und steiler und sehr anstrengend. Endlich oben angekommen sah man außer Nebel leider nichts. Ich machte in einem verlassenen Dorf eine kurze Pause und wechselte die Einlagen und Socken. In Lago, 4 km entfernt sollte eigentlich ein Café kommen, ich fand jedoch keines und erst in weiteren 4 km konnte ich eine richtige Pause machen. Bis nach La Mesa waren es dann nur noch weitere 4.5 km. Das Wetter war für Nachmittag schlecht gemeldet, daher wollte ich nicht noch weiter laufen. Der heutige Tag hatte knapp 1000 Höhenmeter. Um 13.30 Uhr erreichte ich die neue private Herberge.


Tag 5 Camino Primitivo 20.7.2018

La Mesa-Castro 23.5 km

Heute Morgen bin ich um 7.30 Uhr gestartet. Die ersten 45 min ging es nur auf der Straße recht steil bergauf. Dann folgte ein sehr langer Abstieg durch tolle Fels- und Waldlandschaften. Am tiefsten Punkt angekommen erreichte ich um 9.30 Uhr den Staudamm. Von hier folgte ein sehr langer Aufstieg über die Landstraße mit traumhaft schönen Aussichten über die Berglandschaft. In Grandas de Salime fing es dann zu regnen an. Es waren jedoch nur noch 4.5 km bis zur Herberge. Weiter wollte ich dann bei dem Wetter nicht mehr gehen. Um 12 Uhr erreichte ich die Herberge. Die nächste Möglichkeit zu übernachten wäre erst in 23 km. Ich war der erste Pilger hier und musste knapp 1 Stunde warten bis ich aufs Zimmer gehen und duschen konnte. Ich bestellte mir Nudeln zum Essen und überbrückte so die Zeit. Später folgten noch ein paar Pilger. Knapp 2 Stunden später klarte das Wetter auf und die Sonne war strahlend am Scheinen.


Tag 6 Camino Primitivo 21.7.2018

Castro-A Fonsagrada 24.5 km

Heute Morgen bin ich um 7.30 Uhr gestartet. In der Herberge war leider nichts geöffnet und so habe ich mir einen Kuchen aus dem Snackautomaten geholt. Es war wieder sehr bewölkt und kühl. Der Weg ging direkt durch den Wald mit matschigen Schlamm. Nach nur 2 km rutschte ich mit dem Fuß etwas weg und landete mit dem rechten Fuß bis zum Knöchel im Matsch. Dann ging es wieder steil nach oben und ich konnte auf dem Berg über die Wolken blicken. Danach überquerte ich die Grenze nach Galicien. Um 12 Uhr erreichte ich die private Herberge in A Fondagrada, welche empfohlen wurde. Sie war sehr schön eingerichtet und hatte eine voll ausgestattete Küche. Es gab Handtücher und Bettlaken aus Baumwolle. Nach kurzer Zeit kamen einige Pilger dazu. Nach dem Duschen kaufte ich im Supermarkt ein und machte mir Nudeln mit Soße zum Essen. Draußen regnete es ab und an und es gab nichts zum Anschauen.


Tag 7 Camino Primitivo 22.7.2018

A Fonsagrada-Castroverde 35 km

Der Weg ging auf wunderschönen Feldwege durch Berge und Wälder. Zwischendurch traf ich wieder auf die 58 köpfige Jugendgruppe die ein Überholen auf den extrem schmalen Bergwegen unmöglich machte. Also ging es zum Teil deutlich langsamer hinauf, als es möglich gewesen wäre. Um 15.30 Uhr erreichte ich die öffentliche Herberge. Diese war recht modern und schön gemacht. Gegen Nachmittag war diese dann auch komplett belegt. Ich traf 2 Pilger vom ersten Tag in Oviedo wieder was ziemlich lustig war. Im Dorf gab es nur eine einzige Bar, welche geöffnet hatte, da heute Sonntag war. Um 19 Uhr trafen wir uns mit 12 Pilgern dort zum Essen und es gab ein recht leckeres Pilgermenü mit viel Rotwein für die anderen zum Abendessen.


Tag 8 Camino Primitivo 23.7.2018

Castroverde-Castrelo 45 km

Heute Morgen sind die ersten bereits um 5.30 Uhr aufgestanden. Um 6.30 Uhr hat dann jemand das Licht angemacht. Ich bin dann um kurz nach 7 Uhr los. An der Tankstelle habe ich mir noch ein paar Donuts geholt, da es die nächsten 15 km kein Café geben sollte. In einer Bar habe ich dann nach Überzeugungsarbeit noch einen Kaffee bekommen, obwohl diese noch geschlossen hatte. Landschaftlich war es ähnlich wie gestern, nichts Besonderes. Feldwege durch Wald. Die Temperatur war recht kühl und der Himmel war bewölkt. Gegen 12 Uhr erreichte ich Lugo. Das Wetter wechselte, die Sonne schien und es war extrem warm. 27 Grad im Schatten. In der Sonne war es gut 32 Grad. Ab Lugo verlief der gesamte Weg nur noch auf Asphalt, was extrem nervig war. Die Schuhsohlen kochten und der Weg zog sich. In einer Garage waren einige Snackautomaten aufgestellt. Hier machte ich 20 min Pause und füllte meinen Flüssigkeitsspeicher. Um 16.30 Uhr erreichte ich endlich die Herberge. Es gab eine private und direkt daneben eine Öffentliche. Die Private war bereits wieder komplett voll. In der öffentlichen waren jedoch noch Plätze frei. Um 19 Uhr gab es ein einfaches Pilgermenü.



Tag 9 Camino Primitivo 24.7.2018

Castrelo-Ribadiso de Carretera 41 km

In der privaten Herberge war Kaffee, Bananen und Gebäck aufgebaut. Ich frühstückte und danach buchte ich meinen Ryanair Flieger für Donnerstagnachmittag mit dem Smartphone und ging los. Heute Morgen war ich etwas unmotiviert und müde. Der Weg wechselte zwischen Asphalt und Feldwegen. Bei Palas de Rey ging es dann nochmal einen Berg hinauf und es gab eine schöne Aussicht. Das Wetter war angenehm bei 19 Grad. In Melide machte ich Mittagspause. In Boente traf ich dann in der Deutschen Herberge bei einem kühlen Bier zwei deutsche Frauen. Nach einem kurzen Plausch entschieden wir uns noch 6 km bis zur nächsten Herberge zu laufen. In Ribadiso angekommen waren die ersten 2 Herbergen völlig überfüllt und wir gingen 1 km weiter zu einer privaten Herberge auf dem Berg. Hier gab es dann auch Abends ein leckeres Pilgermenü.



Tag 10 Camino Primitivo 25.7.2018

Ribadiso de Carretera-Lavacolla 34 km

Heute Morgen bin ich mit den zwei deutschen und einer Engländerin aufgebrochen. Zuvor gab es noch ein kleines Frühstück in der Herberge. Es waren wieder unzählige Pilger unterwegs und der Weg glich einer Autobahn. Wir machten einige Pausen und gingen recht gemütlich. 5 km vor Lavacolla bin ich dann alleine weiter, weil ich versuchen wollte in der Herberge ein Bett zu bekommen. Die beiden deutschen wollten sich im Hotel ein Doppelzimmer nehmen. In der Herberge angekommen, hieß es zunächst diese sei bereits voll. Nachdem der Hospitaliero jedoch zwei Pilger angerufen hatte, die reserviert hatten, aber noch nicht da waren bekam ich noch ein Bett, da diese absagten. Nach dem Duschen suchte ich noch ein offenes Restaurant zum Essen. Am heutigen Feiertag gar nicht so einfach. Ich fand zum Glück eines ca. 1 km entfernt. Das Essen war sehr gut und die Portionen waren riesig.


Tag 11 Camino Primitivo 26.7.2018

Lavacolla-Santiago de Compostela 11 km

Die ersten Pilger starteten heute schon um 5 Uhr früh. 10 km vor Santiago ist dies wirklich vollkommen verrückt. Um 7 Uhr war ich der letzte auf der Herberge. Nach 5 km stoppte ich an einem Café, aß 2 Donuts und trank einen Kaffee. Hier traf ich Svenja aus Kassel. Wir waren uns von Anfang an sympathisch und entschieden uns die letzten Kilometer zusammen nach Santiago zu gehen. Vor dem Santiago de Compostela Schild machte ich ein Foto mit 4 Fingern. Nun bin ich 4 Jakobswege in knapp 5 Monaten gewandert. Was kommt als nächstes? Nachdem wir zusammen im Pilgerbüro unsere Compostela abgeholt hatten, verabschiedete ich mich und ging zur Busstation. Am Nachmittag flog ich dann wieder nach Deutschland zurück.


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